1899 // Evangelische Frauenhilfe

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„Am Anfang war Auguste Victoria…“, so ließe sich die Gründung der Evangelischen Frau­en­hilfe im Jahr 1899 verkürzt beschreiben. Die Kaiserin reagierte auf die wachsende bür­ger­liche, konfessionelle und sozialistische Frau­en­be­wegung seit Mitte des 19. Jahrhunderts im Zuge der realen Veränderung der gesell­schaft­lichen Stellung der Frau sowie auf die säkulare Entwicklung. Sie motivierte die Männer des EKH zur Gründung einer Frauenorganisation. Die Frauenhilfe war in der Tradition der protestantischen Kirche verwurzelt. Sie hielt an der religiös-moralisch sanktionierten Priorität der Familie und Mutterrolle fest und lehnte öffentlich-politische Aktivitäten von Frauen ab. Bereits bestehende evangelische Frauen­verei­ne traten Anfang des 20. Jahrhunderts der Frauenhilfe des EKH bei.

Siegel der Evangelischen Frauenhilfe
Potsdam, o.D., um 1900 | Potsdam, EKH

Das Siegel der Frauenhilfe ist dem des EKH nachempfunden und verdeutlicht auf diese Weise den engen Zusammenhang der beiden Vereinigungen. Es zeigt Jesus mit dem sinkenden Petrus.
Auszug aus der Satzung der Frauenhilfe fürs Ausland
Potsdam, 1908 | Potsdam, EKH

Unter der Losung „Frauenhülfe über Land und Meer“ gründete der EKH 1908 die Frauenhilfe fürs Ausland. Diakonissen sollten für die Arbeit in den deutschen evangelischen Gemeinden in Südamerika gewonnen werden. Diese Schwestern wohnten im Katharinenstift in Wittenberg und absolvierten ihre Ausbildung im benachbarten Paul-Gerhardt-Stift. Kurz vor dem Ersten Weltkrieg wurden mehrere Diakonissen für ihren Dienst in Brasilien und Chile eingesegnet. Regelmäßig berichteten sie über ihre Arbeit in der Zeitschrift „Daheim und Draußen. Mitteilungen der Frauenhülfe fürs Ausland“.
Flugblatt mit dem Abdruck eines Briefes der Kaiserin an den EKH
Auguste Victoria von Preußen
Potsdam, 1.1.1899 | Potsdam, EKH

In ihrem Brief an die Leitung des EKH vom Januar 1899 wiederholte die Kaiserin Auguste Victoria ihren Aufruf an alle evangelischen Frauen, sich in den Gemeinden sozial zu engagieren. Der EKH sollte diesen Bereich aufbauen, da die „hingebende, praktische, stille Liebesarbeit an den Armen und Verlassenen, den Nothleidenen und Kranken am meisten geeignet ist, die verirrten und kalten Herzen dem Evangelium zu erschließen.“ Der EKH verbreitete den Brief der Kaiserin als Flugblatt und in den Schriften der Vereinigung, da er die Unterstützung durch die Monarchin verdeutlicht.
Mitgliedskarte der Evangelischen Frauenhilfe
Berlin, o.D., um 1900 | Potsdam, EKH

Diese Mitgliedskarte enthält rechts oben einen Hinweis auf das Losungswort der Frauenhilfe Matthäus 25, Vers 40: „Was ihr getan habt einem unter diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan.“ Jede Frau, die einen jährlichen Beitrag von mindestens einer Mark zahlte, erhielt eine solche Karte. Mitglied der Frauenhilfe konnte jede evangelische Frau werden, die sich zur persönlichen Mitarbeit verpflichtete.
Anstecknadel
o.D., um 1930 | Berlin, ELAB
Karte der Frauenhilfsvereine in Preußen
In: Paul Cremer (Hg.): Im Dienst der Liebe. 25 Jahre Arbeit des Evangelisch-Kirchlichen Hülfsvereins
Potsdam, 1913 | Potsdam, EKH

In Preußen bestanden 1912 bereits 2.407 Vereine der Frauenhilfe mit 249.000 Mitgliedern. Die Brandenburgische Frauenhilfe gehörte 1913 mit 39.000 Mitgliedern nach Westfalen und dem Rheinland zu den größten regionalen Verbänden.

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