1888 // Evangelisch-Kirchlicher Hilfsverein

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In den 1850er Jahren begann in Deutschland im Zusammenhang mit der weltwirtschaftlichen Entwicklung die industrielle Revolution. Sozial engagierte Vertreter adliger und bürgerlicher Schichten gründeten in dieser Zeit Vereine, um angesichts des schwachen staatlichen Sozial­systems Hilfe zur Selbsthilfe zu schaffen. Zu ihnen gehörte der Evangelisch-Kirchliche Hilfs­verein (EKH), der sich nach der am 28. November 1887 vorausgegangenen Walder­see-­Versammlung im Mai 1888 konstituierte. Ziel des unter dem Protektorat der Kaiserin Auguste Victoria stehenden Vereins war es, „die Bestrebungen zur Bekämpfung der religiös-sittlichen Notstände in Berlin und anderen großen Städten und in den In­dus­triebezirken zu unterstützen.“

Auszug aus dem Protokoll der ersten Generalversammlung des EKH
Berlin, 28.5.1888 | Potsdam, EKH

Der Brandenburgische Landesdirektor Albert von Levetzow eröffnete am 28. Mai 1888 als Vorsitzender des Engeren Ausschusses die erste Generalversammlung des EKH im Berliner Reichstag. Auf der Tagesordnung standen Mitteilungen über die vorhandenen Notstände, die Vorlage des Satzungs-Entwurfs und die Bildung des erweiterten Vorstands. In den Monaten zuvor hatte Ernst von Mirbach, der Oberhofmeister der Kaiserin, großen Einsatz für die Gründung der Vereinigung gezeigt.
„Der Evangelisch-Kirchliche Hülfsverein und die Frauenhülfe am 4. Mai 1913“
In: Paul Cremer (Hg.): Im Dienst der Liebe. 25 Jahre Arbeit des Evangelisch-Kirchlichen Hülfsvereins
Potsdam, 1913 | Potsdam, EKH

Im Januar 1899 empfahl die Kaiserin die Gründung einer Frauenhilfe als Arbeitszweig des EKH. Der Engere Ausschuss des EKH baute die Organisation für weibliche Gemeindearbeit auf. Die Karte zeigt die enge Verbindung zwischen den sich schnell entwickelnden Vereinigungen im Jahr 1913.
Siegel des EKH
Potsdam, o.D., um 1888 | Potsdam, EKH

Seit seiner Gründung 1888 führt der EKH dieses eindrucksvolle Siegel. Das umlaufende Band verweist auf das Datum der Kabinettsorder von Kaiser Friedrich, in der er am 4. Mai 1888 Kronprinzessin Auguste Victoria zur Protektorin des EKH ernannte. Das Losungswort des Vereins 1. Korinther 3,11 lautet: „Einen anderen Grund kann niemand legen außer dem, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus.“
Siegel des Brandenburgischen Provinzialverbandes des EKH mit Schatulle
Berlin, o.D. | Potsdam, EKH

Um die steigende Zahl der Zweigvereine besser organisieren zu können, forcierte die Leitung des EKH die Gründung von Provinzialverbänden. Am 28. März 1889 konstituierte sich der Brandenburgische Provinzialverband des EKH.
Bericht über den EKH in der Westdeutschen Zeitung
Barmen, 18.6.1897 | Potsdam, EKH

Der Autor dieses Zeitungsartikels berichtete über die Ziele und Arbeitsfelder des EKH. Er betonte, dass die Kaiserin darauf rechne „daß die evangelischen Männer und Frauen des Landes ihr die Mittel zur Förderung des Werkes nicht versagen, damit unserem evangelischen Volke der Segen christlichen Glaubens erhalten bleibe.“
Zentrale des EKH und der Evangelischen Frauenhilfe in Potsdam, Mirbachstraße 2/3
In: Paul Cremer (Hg.): Im Dienst der Liebe. 25 Jahre Arbeit des Evangelisch-Kirchlichen Hülfsvereins
Potsdam, 1913 | Potsdam, EKH

Der EKH verlegte 1902 seinen Sitz von der Matthäikirchstraße in Berlin in die Mirbachstraße 2/3 in Potsdam. Dort befand sich bis 1907 ebenfalls der Stiftungsverlag.

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