Orte // Mirbachstraße 1

Die Mirbachstraße 1 war von 1918 bis 1945 der Sitz der Zentrale der Evangelischen Frauen­hilfe. Das repräsentative mehrstöckige Ge­bäu­de beherbergte Verwaltungsräume für den EKH und die Frauenhilfe, Redaktionszimmer für die Verbandspublikationen und die Wohnräume des Geschäftsführenden Pfarrers. Im August 1945 beschlagnahmte die sowjetische Be­sat­zungsmacht das Gebäude. Sie nutzte es bis in die 1980er Jahre als zentrales Un­ter­­su­chungsgefängnis der militärischen Spio­na­ge­ab­wehr. Diese hielt zunächst Deutsche und Sowjetbürger fest, ab 1955 ausschließlich sowjetische Militärangehörige. Die Un­ter­su­chungs­häft­linge wurden in der Leistikowstraße 1 erkennungsdienstlich behandelt, oft mo­na­te­lang verhört, teilweise misshandelt und durch ein sowjetisches Militärtribunal zu mehr­jäh­ri­gen Haftstrafen oder zum Tode verurteilt. Seit 2008 befindet sich auf dem Grundstück eine Gedenk- und Begegnungsstätte.

Postkarte mit Luthermotiv
14.5.1918 | Potsdam, EKH
Der EKH nutzte die Mirbachstraße 1 von 1918 bis 1932 ebenfalls als Geschäftsstelle. Er zog nach der endgültigen Trennung von der Frauenhilfe in die Junckerstraße (heute Gutenbergstraße) ins Holländische Viertel. Dort befanden sich der Stiftungsverlag und die Stiftungsbuchhandlung.
„Frauenhülfe. Blätter für Frauenarbeit in der evangelischen Gemeinde“
Potsdam, 1922 | Potsdam, EKH

Während des Ersten Weltkrieges ließ der EKH eine neue Zentrale für die Evangelische Frauenhilfe errichten. Der enorme Mitgliederzuwachs machte eine Erweiterung notwendig. Die Vereinigung bezog im Januar 1918 die neuen Räumlichkeiten. Das Deckblatt der Zeitschrift zeigt die älteste bisher bekannte Fotografie des Hauses in der Mirbachstraße 1.
Gedenk- und Begegnungsstätte Leistikowstraße Potsdam
Friedemann Steinhausen
Potsdam, 2010 | Potsdam, GBLP

Diese Fotografie fängt die historischen Entwicklungsphasen des Areals Leistikowstraße 1-3 ein. Im Hintergrund ist der Gründungssitz der Evangelischen Frauenhilfe zu erkennen. Im Bildmittelpunkt ist der zum Gefängnis umgebaute Sitz der Geschäftsstelle bis 1945 zu sehen, im Vordergrund das Besucherinformationszentrum der Gedenkstätte.
Sitz der Evangelischen Frauenhilfe in Potsdam, Mirbachstraße 1
Potsdam, um 1930 | Berlin, ELAB

Die Aufnahme stammt aus einem Werbe-Diafilm der Evangelischen Frauenhilfe aus den 1930er Jahren. Frauenhilfsleiterinnen zeigten ihn bei Abendveranstaltungen und verlasen dazu Bildtexte.
Wohnzimmer der Pfarrfamilie Brandt
Potsdam, 1943 | Herford, Barbara Hoffmann

Diese Fotografie gehört zu den wenigen erhaltenen Innenaufnahmen des Hauses. Sie zeigt das Wohnzimmer der letzten Pfarrfamilie Brandt. In der großzügigen Wohnung im Obergeschoss wohnten die Geschäftsführenden Pfarrer der Evangelischen Frauenhilfe mit ihren Familien. Im Gästezimmer übernachteten die Vorsitzenden der Vereinigung während ihrer Aufenthalte in Potsdam. Heute erinnern verschiedenfarbige Kachelöfen an die Nutzung als Wohnraum.
Anneliese Brandt
Berlin, 1945 | Herford, Barbara Hoffmann

Anneliese Schildmann
Bielefeld, 2009 | Herford, Barbara Hoffmann

HÖRSTATION Anneliese Schildmann spricht über das Leben in der Mirbachstraße 1 im Jahr 1945
Bielefeld, August 2009, Interviewsequenz, 1:41 min.
Mirbachstraße 1: Bauplan Erdgeschoss mit Anmerkungen
Potsdam, 1916 | Potsdam, EKH

In der Büroetage gab es ein Arbeitszimmer des Geschäftsführenden Pfarrers, Arbeitsräume für Bürovorsteher und Mitarbeiter, eine Telefonzentrale und Sitzungszimmer. Angaben zur Raumnutzung in der zweiten Hälfte der 1930er Jahre und die Namen der Mitarbeiter sind in diesem Bauplan in roter Farbe ergänzt. Sie stammen von Renate Wildenhof, einer ehemaligen Bewohnerin des Hauses.