Arbeitsfelder // Bibelarbeit

Die Frauenhilfe versuchte entsprechend ihrem Gründungsauftrag dem fortschreitenden Sä­ku­la­ri­sie­rungsprozess in der Gesellschaft ent­ge­gen­zuwirken, in dem sie die soziale Bedeutung von Religion im Sinne ihrer Teilhabe am öffentlichen Leben stärkte. Die Leitung der Evangelischen Frauenhilfe erkannte frühzeitig, dass in den Zweigvereinen zwar religiöses Bewusstsein vorhanden war, eine aus­rei­chen­de Bibelkenntnis aber fehlte. Ein großes Angebot an methodischen Hilfen sollte die Frauen für das selbständige Studium der Bibel anleiten. Die Bibelschule in Potsdam bildete Frauen als Gemeindehelferinnen aus, zu de­ren Hauptaufgaben die Bibelarbeit gehörte. In Bran­denburg und in anderen Provinzen grün­deten sich Bibelkreise, in denen Frauen unter sich waren und ihren eigenen Zugang zum Bibeltext erarbeiten konnten.

Werbebroschüre für die Bibelschule
Potsdam, o.D., ca. 1936-1943 | Potsdam, EKH

Vor allem die Leiterin der Bibelschule Maria Weigle bereitete Frauen auf Leitungsfunktionen in der Gemeinde vor, die bisher ausschließlich Pfarrern vorbehalten waren.
Abschrift eines Zeugnisses
Potsdam, 19.9.1944 | Düsseldorf, AEKIR

Die 40-jährige Bibelschülerin Gertrud Montel verfügte wie viele andere Teilnehmerinnen bereits über Erfahrungen in der Gemeindearbeit, bevor sie einen mehrmonatigen Kurs an der Bibelschule in Potsdam absolvierte. Das Zeugnis zeigt das praxisorientierte Lernen und Prüfen in der Bibelschule, das auch pädagogische und historische Fragen berücksichtigte. Nach dem Examen sandte ihre Heimatgemeinde Gertrud Montel als Gemeindehelferin und Katechetin nach Österreich.
Sigrid Schulz
Potsdam, 1958 | Stralsund, Sigrid Schulz

Sigrid Schulz
Stralsund, 2003 | Stralsund, Sigrid Schulz

HÖRSTATION Sigrid Schulz spricht über die Bibelschule im Jahr 1947
Stralsund, 27.01.2010, Interviewsequenz, 2:06 min.
Mütter bei der Bibelarbeit
Potsdam, um 1930 | Berlin, ELAB

Innerhalb der Frauenhilfen gründeten sich Bibelkreise, in denen Frauen unter sich waren und ihren eigenen Zugang zum Bibeltext erarbeiten konnten. Für die Anleitung der Bibelkreise stellte die Brandenburgische Frauenhilfe Bibelschwestern zur Verfügung.
Jahresaufgabe „Ich glaube an den heiligen Geist“
Evangelische Reichsfrauenhilfe (Hg.)
Potsdam, 1936 | Potsdam, GBLP

Die Geschäftführenden Pfarrer der Evangelischen Frauenhilfe veröffentlichten ab Mitte der 1920er Jahre regelmäßig Jahresaufgaben. Sie schlugen Bibelstellen zur Lektüre und als Gesprächsgrundlage vor. Diese Handreichungen sollten eine einheitliche Schwerpunktsetzung in allen Zweigvereinen gewährleisteten.
Werbebroschüre für die Bibelschule
Potsdam, o.D., ca. 1936-1943 | Potsdam, EKH

Die mehrwöchigen Bibellehrgänge der Evangelischen Frauenhilfe bereiteten Frauen auf die Leitung der Frauenbibelkreise vor. Der Bedarf an einer umfassenderen Ausbildung von Frauen, die anschließend als Wanderlehrerinnen Bibelstunden und Bibelkurse abhalten konnten, wuchs beständig. Die Reichsfrauenhilfe eröffnete 1936 am Neuen Garten in Potsdam eine Bibelschule.
Auszug aus einem Referat über Laienhilfe in der Gemeindebibelarbeit
Pfarrer Mücksch
In: Frauenhilfe. Monatsblatt für kirchliche Frauen-Gemeindearbeit
Potsdam, Juni 1938 | Potsdam, EKH

In der Verbandszeitschrift „Frauenhilfe“ erschienen regelmäßig Artikel zum Thema Bibelarbeit mit Frauen. Einerseits wollte die Frauenhilfe ihre Mitglieder zum Nachdenken und Mitreden über die Bibel anregen. Zugleich stellte diese fortschrittliche und emanzipatorische Arbeit die alleinige Deutungshoheit der Gemeindepfarrer in Frage.

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