1933 // Verbote

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Der Anspruch des NS-Regimes, alle Bereiche des öffentlichen wie des privaten Lebens mit nationalsozialistischer Ideologie zu durch­drin­gen, erstreckte sich auch auf das Religiöse. Die beiden großen christlichen Kirchen sahen sich daher in Auseinandersetzungen mit dem NS-Regime verstrickt. Die Evangelische Frau­en­hil­fe wurde als eine Konkurrenz zu NS-­Frau­en­organisationen angesehen und deren ei­gen­stän­dige Arbeit beschnitten. Die Bran­den­bur­gi­sche Frauenhilfe musste teilweise soziale Arbeitsfelder wie die Mütterarbeit und Für­sor­ge­tä­tigkeit staatlichen Stellen überlassen. Örtliche Zweigvereine wurden aufgelöst. Ver­eins­geist­liche und Leiterinnen der Zweigvereine waren Repressalien ausgesetzt. Der Rückzug auf die Bibelarbeit rettete die Frauenhilfe vor der Auf­lösung.

Schreiben des Chefs der Sicherheitspolizei Reinhard Heydrich an den Reichskirchenminister
Berlin, 30.9.1939 | Berlin, BArch

Die Gestapo nahm im Zweiten Weltkrieg die Auflösung einzelner Zweigvereine nicht zurück. Sie behielt sich vor, „mit der gebotenen Vorsicht, allerdings unter Wahrung der im Interesse der Reichsverteidigung erforderlichen Grundsätze“ vorzugehen. Führungskräfte der Frauenhilfe waren weiterhin Repressalien ausgesetzt.
Renate Brandmeyer
Potsdam, 1947 | Berlin, Renate Wildenhof, geb. Brandmeyer

Renate Wildenhof, geb. Brandmeyer
Berlin, 2010 | Potsdam, GBLP

HÖRSTATION Renate Wildenhof spricht über die Hausdurchsuchung der Mirbachstraße 1
Potsdam, 17.9.2010, Interviewsequenz, 2:17 min.
Telegramm der Frauenhilfe Falkenhagen-Seegefeld an das Reichskirchenministerium
Seegefeld, 16.8.1939 | Berlin, BArch

Hilfesuchend wandte sich der Zweigverein Falkenhagen-Seegefeld an das Reichskirchenministerium. Ihm drohte die Auflösung durch die Staatspolizei Potsdam. Das Reichskirchenministerium intervenierte nicht und der Kindergarten der Frauenhilfe wurde beschlagnahmt.
HÖRSTATION Auszug aus einem Schreiben des Pfarramts Falkensee an das Reichskirchenministerium
Gesprochen von Alexander Bandilla, September 2010, 2:11 min.

Evangelische Kirche in Seegefeld
Seegefeld, o.D., ca. 1925-1945 | Falkensee, Museum und Galerie Falkensee
Schreiben des Reichskirchenministers an die Gestapo
Berlin, 16.9.1938 | Berlin, BArch

Die Geheime Staatspolizei und das Reichsministerium für kirchliche Angelegenheiten lehnten die Evangelische Frauenhilfe als Organisation ab. Das Ministerium stimmte der Gestapo prinzipiell in Auflösungsfragen einzelner Zweigvereine „wegen eindeutiger staatsabträglicher oder parteischädigender Betätigung“ zu.