1918 // Weimarer Republik

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Im Jahr 1918 verlor die Frauenhilfe ihr kaiserliches Protektorat und damit ihre finanzielle Grundsicherung. Mit der Gründung der Weimarer Republik erhielten Frauen das Wahlrecht. Die Verfassung sah in ihrem Gleichberechtigungsartikel die politische und soziale Teilhabe von Frauen an der neuen Republik vor. Auch die Frauenhilfe ließ sich nicht mehr auf Dauer allein unter männlicher und geistlicher Leitung halten. In der Brandenburgischen Frauenhilfe übernahmen zunehmend Frauen Führungspositionen. Viele Erscheinungsformen sozialer Ungleichheit wurden seit der Revolution von 1918/19 zwar nicht beseitigt, aber wesentlich stärker als früher sozialpolitisch abgemildert. Dennoch gab es für die Frauenhilfe ein breites Betätigungsfeld in den Städten und Dörfern Brandenburgs. Die Frauenhilfe verstärke ihr soziales Engagement.

Schreiben von Otto Moeller an Theodor Werdermann
Potsdam, 27.11.1929 | Potsdam, EKH

Die Brandenburgische Frauenhilfe stellte sich von ihrer deutsch-nationalen Haltung aus den politischen Auseinandersetzungen in der Weimarer Republik. Die Mitglieder hörten Vorträge über das Verhältnis von Kirche und Volksgemeinschaft oder Kirche und völkischer Bewegung. Auch der Marxismus und die Ideen der Nationalsozialisten boten Diskussionsstoff.
Mitgliedsbrosche
o.D., um 1927 | Berlin, ELAB
Jahrestagung der Evangelischen Frauenhilfe in der Breslauer Jahrhunderthalle
In: Frauenhilfe. Blätter für Frauenarbeit in der evangelischen Gemeinde
Potsdam, Juli 1931 | Potsdam, EKH

Als Helene von Oppen aus dem Kreisverband Oberbarnim in die Leitung der Evangelischen Frauenhilfe wechselte, war aus der Laienvereinigung mit einzelnen Zweigvereinen bereits eine moderne Massenorganisation geworden. Die Vorsitzende erinnert sich in ihren Memoiren: „Besonders eindrucksvoll war für die Frauenhilfe die große Jahrestagung in Breslau im Jahre 1931. Dort hatten sich so viele Teilnehmer eingefunden, daß die Hauptfeier in der großen Jahrhunderthalle stattfinden mußte. Sogar die Kronprinzessin war erschienen und wurde freudig empfangen.“
Schwester Else Nehm mit Ferienkindern aus Polen
Potsdam, 1926 | Stralsund, Schwesternschaft der Evangelischen Frauenhilfe Potsdam-Stralsund

Die Brandenburgische Frauenhilfe ermöglichte Kindern aus Großstadtfamilien sowie aus Gebieten, die von Kriegszerstörungen betroffen waren, regelmäßig Fereinaufenthalte. Das entsprach der aktuellen Bewegung der Kinderlandverschickung.
Helferinnenkurs in Potsdam
Potsdam, 1924 | Berlin, ELAB

Die Brandenburgische Frauenhilfe bot in der Großen Weinmeisterstraße 17 in Potsdam regelmäßig Helferinnenkurse an. Kinder und Mütter nutzten außerdem Haus und Garten zur Erholung. Besonders Frauen waren durch ihre Berufstätigkeit und die Versorgung der Familie in Kriegs- und Inflationsjahren oft überlastet. Die Brandenburgische Frauenhilfe nahm mit ihren Angeboten eine Vorreiterrolle ein.
„Frauenhülfe. Blätter für Frauenarbeit in der evangelischen Gemeinde“
Potsdam, Juli/August 1923 | Potsdam, EKH

In den 1920er Jahren kämpfte auch die Frauenhilfe mit den Folgen der Inflation: Aufgrund der Geldentwertung stiegen die Preise für die Mitgliederzeitschriften ständig. Nur weil der Geschäftsführende Pfarrer der Brandenburgischen Frauenhilfe zwei Jahre auf sein Gehalt verzichtete, war die Weiterarbeit in der Provinz überhaupt möglich.
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FILMAUSSCHNITT
Die Provinzialversammlung der Brandenburgischen Frauenhilfe in einem Schlosspark

o.D., ca. 1930-1938 | Berlin, ELAB