Orte // Große Weinmeisterstraße 22

In der Großen Weinmeisterstraße 22 befand sich von 1936 bis 1946 die Bibelschule der Evangelischen Frauenhilfe. Für den Standort Potsdam sprachen vor allem die unmittelbare Nähe zur Verbandszentrale und zu den Sehenswürdigkeiten der Park- und Schlös­ser­landschaft. Pfarrer und Vikarinnen un­ter­rich­teten hier ebenso wie die Oberin der Bran­den­burgischen Frauenhilfe. Für evangelische Frauen aus dem gesamten Reichsgebiet war die Potsdamer Einrichtung eine wichtige Aus­bildungsstätte zur Gemeindepflegerin. Weiter­bildungen und Pfarrerfreizeiten fanden hier statt, manche Mitglieder kamen nur zur Erholung in das „Haus am Neuen Garten“.

Werbebroschüre für das Haus am Neuen Garten
Potsdam, o.D., um 1934 | Potsdam, EKH

Die Evangelische Frauenhilfe bewarb ihr Freizeitheim in evangelischen Zeitungen und mit Werbezetteln. Spezialpreise für Mitglieder, die eingebaute Zentralheizung sowie die „ruhige und staubfreie Lage“, so versprach diese Broschüre, biete den Mitgliedern und Freunden der Evangelischen Frauenhilfe einen angenehmen und preiswerten Aufenthalt.
Preisliste
Potsdam, o.D., um 1934 | Potsdam, EKH

Die einzige überlieferte Preisliste zeigt die Möglichkeiten der Verpflegung im Freizeitheim und die verhältnismäßig günstigen Preise. Sie lässt Rückschlüsse auf die Frühstücksgewohnheiten der Gäste zu.
Haus am Neuen Garten in Potsdam, Große Weinmeisterstraße 22
Potsdam, o.D., um 1934 | Potsdam, Ellen Lansemann

Der EKH erwarb 1932 diese Villa mit Gartengrundstück für die Evangelische Frauenhilfe.
Singende Frauen im Garten der Bibelschule
Potsdam, o.D., um 1940 | Berlin, ELAB

Diese Fotografie stammt aus einer Werbebroschüre für die Bibelschule. Sie zeigt einen Schülerinnenchor im Garten der Bibelschule. Die Frauen befassten sich inhaltlich mit den Texten von Kirchenliedern und erlernten die Leitung eines Chores.
Andachtsraum der Bibelschule
Potsdam, o.D., um 1940 | Potsdam, EKH

Andachten gehörten zu jeder Frauenhilfsstunde und waren Ausbildungsgegenstand von Bibellehrgängen. Mitte der 1930er Jahre rückte die Bibelarbeit an die erste Stelle der Aufgaben der Frauenhilfe. Die Vorsitzende Dagmar von Bismarck und Pfarrer Adolf Brandmeyer sahen darin eine Möglichkeit, die Frauen zu stärken. Das Freizeitheim wurde in eine Bibelschule umgewandelt. Die Vikarin Maria Weigle leitete mehrmonatige Kurse, in denen Frauen die Bibelarbeit erlernten. Sie schlossen die Ausbildung mit einem Examen ab.
Abschrift des Fragebogens des Wohnungs- und Quartiersamtes der Stadt Potsdam
Potsdam, 27.5.1944 | Hannover, EFiD, Archiv Evangelische Frauenhilfe

In den letzten Kriegsjahren suchten immer mehr ausgebombte Berliner und Potsdamer ein neues Quartier. Auch die Bibelschule wurde zum Wohnort. Aus dem Fragebogen geht hervor, dass in den 25 Räumen der Bibelschule Schülerinnen, Schwestern der Frauenhilfe, eine Zwangsarbeiterin mit Kind sowie Bewohner eines Altersheims wohnten. Als die Rote Armee die Nauener Vorstadt im Januar 1946 abgeriegelte, wurden die verbliebenen Schwestern und Alten ausgewiesen.

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