Arbeitsfelder // Mütterarbeit

Die Evangelische Frauenhilfe richtete ab den 1920er Jahren ihre Aufmerksamkeit auf die Mütter. Das spiegelte sich in der Gründung des Mütterdienstes in der Potsdamer Zentrale wider, der u.a. zahlreiche Publikationen er­ar­bei­tete. Auch in Brandenburg organisierten Zweig­vereine Schulungen, Freizeiten und Erholungs­angebote für Mütter. In manchen Gemeinden fanden regelmäßig Mütterabende statt. Der nationalsozialistische Staat engte diese Be­strebungen durch verschiedene Maß­nah­men ein. Die christliche Unterweisung passte nicht zum „Mutterkult“ der Partei, der die Frauen oft auf das „Muttersein“ reduzierte. Der Bran­den­burgischen Frauenhilfe gelang es, mit dem Erholungsheim in Schöneiche bei Berlin die Mütterarbeit in der NS-Zeit und darüber hinaus fortzusetzen.

„Mutter und Volk“
Mütterdienst der Frauenhilfe (Hg.)
Potsdam, 1934 | Düsseldorf, AEKIR

Die Zeitschrift wurde anfangs vom Mütterdienst der Evangelischen Frauenhilfe herausgegeben. Die verantwortliche Leiterin Klara Schloßmann-Lönnies war u.a. wegen der Hinwendung zum Nationalsozialismus innerhalb der Vereinigung stark umstritten. Sie verließ die Zentrale der Frauenhilfe und brachte die Zeitschrift anschließend für die Frauenorganisation Deutsches Frauenwerk heraus. Trotz der eindeutig nationalsozialistischen Ausrichtung wurden einzelne Ausgaben dem „Boten“ als Beilage hinzugefügt.
Frauen im Erholungsheim der Brandenburgischen Frauenhilfe
Schöneiche, 1955 | Berlin, ELAB

Seit 1929 bot die Brandenburgische Frauenhilfe Erholungsaufenthalte für „geplagte Mütter“ an. Nach dem Verkauf des Hauses in Hagershorst nutzte die Brandenburgische Frauenhilfe ab 1931 das von Martin Binner gestiftete Heim in Schöneiche.
Mütter vor dem Erholungsheim in Schöneiche
Schöneiche, o.D., ca. 1954-1960 | Berlin, ELAB

Die Fotografie zeigt Teilnehmerinnen im Erholungsheim in Schöneiche. Schwester Sigrid Schulz leitete das Heim und die dort stattfindenden Rüstzeiten in den 1950er Jahren.
„Helft den Müttern!“ Plakat der Evangelischen Frauenhilfe zum Spendenaufruf
Potsdam, 1933 | Düsseldorf, AEKIR

Ein Teil der Mitgliedsbeiträge der Frauenhilfe kam als so genannter Müttergroschen der kirchlichen Mütterarbeit zugute. Erwerbstätige Mütter waren die Hauptzielgruppe, sie waren aufgrund der langen Arbeitszeiten aber nur schwer zu erreichen. Die Brandenburgische Frauenhilfe gründete bis Ende der 1930er Jahre 135 Mütterkreise in der Provinz. Die Frauen besprachen in abendlicher Runde oder bei mehrtägigen Kursen (Rüstzeiten) Erziehungsfragen und arbeiteten mit Bibeltexten.
„Fibel für kirchliche Mütterarbeit“
Evangelische Reichsfrauenhilfe (Hg.)
Potsdam, 1937 | Berlin, Renate Wildenhof, geb. Brandmeyer

Der Frauenhilfe blieb durch die Eingliederung der Müttererholungsfürsorge in das Hilfswerk der NS-Volkswohlfahrt „Mutter und Kind“ oft nur noch die religiöse Betreuung der Mütter. Sie stärkte mit ihren Mütterkreisen und Publikationen die Frauen. Im Mütterdienst der Zentrale der Evangelischen Frauenhilfe arbeitete neben der Berufsarbeiterin Magdalene Vedder auch die Vikarin Maria Weigle. Sie führte die Mütterarbeit und die Bibelarbeit zusammen.
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FILMAUSSCHNITT
Teilnehmerinnen der Müttererholung der Brandenburgischen Frauenhilfe im Park von Schloß Sanssouci

o.D., ca. 1930-1938, 2 min | Berlin, ELAB

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